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Automobilzulieferung auf höchster Sicherheitsstufe

Hochverfügbarkeit bei Lackiertechnik Weiss

Hinter der Glasscheibe führen zwei vermummte Riesen ein merkwürdiges Ballett auf: Zur Seite, nach vorn, wieder nach links und nach hinten wenden und drehen sich die Beiden in ihrem seltsamen Pas de deux. Aber das Bild täuscht, die beiden eigenartigen Gesellen tanzen keineswegs - jede ihrer Bewegungen dient einem Zweck und folgt einer eindeutigen Anweisung. Es handelt sich um Industrieroboter, die in der Lackieranlage 3 des badischen Unternehmens Lackiertechnik Weiss computergesteuert Autoteile silbern lackieren, die in näherer Zukunft an einer der Fertigungsstraßen der Automobilindustrie montiert werden. Nicht nur, aber auch wegen der zwei Riesen gibt es in der IT des Automobilzulieferers seit dem Frühjahr 2003 eine Hochverfügbarkeitslösung „ ein Systemausfall würde dem Tanz der Beiden ein jähes Ende bereiten und das Unternehmen auch sonst vor erhebliche Probleme stellen.

Just in Time und die Folgen

Seit die Just-in-Time-Lieferung bei allen Automobilherstellern Standard ist, tragen die Zulieferer ein erhebliches Maß an Verantwortung für die reibungslosen Abläufe an den Montagebändern, weil die Hersteller selbst so gut wie keine Lagerhaltung mehr betreiben, sondern die benötigten Teile kurzfristig „ eben exakt zum Einsatzzeitpunkt „ bei den Zulieferern abrufen. Die Abrufe erfolgen über DFÜ, und alle damit verbundenen Abläufe sind auf die jeweiligen Verarbeitungsnormen bei den Werken zugeschnitten. Ein manueller Lieferschein wird heutzutage erst gar nicht mehr verarbeitet. Für die Lieferanten ist daher ein Ausfall ihrer IT-Systeme untragbar geworden, denn ein Umstellen auf einen wie immer vielleicht intern noch organisierbaren manuellen Betrieb würde das Problem nicht lösen. Davon abgesehen lässt auch die Organisation des eigenen Workflow ein Zurück zum Manuellen heute in der Regel nicht mehr zu. „Ein Ausfall der EDV wäre so, als wären wir plötzlich blind“, bringt Rolf Weiss, Inhaber der Lackiertechnik, die Sache auf den Punkt. „Wir könnten unter Umständen noch umhertasten, also aufgrund des Wissens um die bereits eingeleiteten Arbeitsvorgänge noch den einen oder anderen Prozess weiterführen, aber nach einigen Stunden wäre dann endgültig Schluss.“ Das ist für ein Unternehmen mit einer Produktion im Drei-Schichten-Betrieb an sechs Arbeitstagen pro Woche definitiv keine Perspektive.

Lackieren für die Luxusklasse

Die Kundenliste von Weiss-Lackiertechnik liest sich wie der Who's who der Luxusautomobilindustrie: Mercedes-AMG, DaimlerChrysler (designo, Maybach), Lamborghini, Porsche, BMW, - die Außenhautanbauteile (so der Fachbegriff), die die Werkshallen der Lackiertechnik Weiss verlassen, werden Bestandteil vom Besten und Teuersten, was die europäischen Autohersteller dem zahlungskräftigen Kunden zu bieten haben. Das kommt nicht von ungefähr: das Unternehmen mit rund 380 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 63 Millionen Euro im Jahr 2002 hat sich auf decklackierte Kunststoffanbauteile im Klein- und Mittelserienbereich spezialisiert, das heißt, es ist auf die Bedürfnisse einer vergleichsweise kleinen, aber qualitativ extrem anspruchsvollen und hochflexiblen Automobil-Produktion perfekt eingerichtet. Wegen der Kleinstserien haben die Industrie-Roboter auch durchaus noch menschliche Mitstreiter: bei besonders hochwertigen Produkten wird im Zweifel für jeden Wagen in einer anderen Farbe lackiert „ dafür lohnt die Einrichtung der Roboter nicht, die Teile werden von Hand bearbeitet. Kein Wunder, dass bei einer derart hochwertigen Produktion auch die Anforderungen an die Informationstechnologie hoch sind.

Nichts geht ohne die IT

Buchstäblich jeder geschäftskritische Arbeitsvorgang bei Lackiertechnik Weiss ist computergestützt. „Es gibt eine vollständige Abhängigkeit der Prozesse voneinander, angefangen bei der Bedarfsplanung bis zur Just-in-Time-Lieferung“, erklärt Bernhard Marz, Leiter der EDV. „Ein Ausfall bedeutet keine E-Mails, keine DFÜ-Abrufe, keine Produktionsplanung, keine Lieferscheine, keine Rechnungen. Wir haben berechnet, dass uns ein Ausfall von fünf Stunden drei Tage Aufarbeitung kosten würde.“ „Und das ist bereits locker der Gegenwert für eine weitere iSeries“, ergänzt Rolf Weiss. „Dabei ist in diesen Kosten der Imageschaden noch nicht einmal beziffert.“ Darauf wollte man es bei Weiss nicht ankommen lassen.

Die Sicherheitslösung

Als optimale Absicherung für die Produktionsmaschine, das war schnell klar, kam nur eine Hochverfügbarkeitslösung in Frage, bei der die jeweils stattfindenden Dateneingaben in Echtzeit auf einen Backup-Rechner gespiegelt werden. Diese bietet nämlich gegenüber anderen Sicherungskonzepten wie etwa Bandsicherung oder Plattenspiegelung einige eindeutige Vorteile:

jederzeit konsistente Daten auf der Backup-Seite durch Spiegelung auf Transaktionsebene
jederzeit konsistente Daten auf der Backup-Seite durch Spiegelung auf Transaktionsebene
kein Datenverlust, der unüberschaubare Konsequenzen zur Folge hätte
extrem kurze Wiederanlaufzeiten (im Minutenbereich) sind selbst nach einer Katastrophe sichergestellt, weil ein Umschalten jederzeit und ohne vorherigen IPL möglich ist
geplante Ausfallzeiten (Datensicherung, Reorg, Releasewechsel) sind vermeidbar. Erst so ist ein echter 24-Stundenbetrieb erreicht.

Auf der Produktionsmaschine, einer AS/400-S20 läuft bei Lackiertechnik Weiss das Software-Paket XPPS der Firma Brain. Darüber werden die Produktionsplanung, die Steuerung der Montage, die Lagerverwaltung, die Vertriebsabwicklung genauso wie die Kostenstellenrechnung und Personal- und Betriebsdatenerfassung abgewickelt. Alle damit verbundenen Daten sind in unterschiedlichem Maß unternehmenskritisch und sollten durch die Lösung abgesichert werden. Unter den Anbietern von Hochverfügbarkeitslösungen kam sehr schnell das Produkt Mimix des amerikanischen Anbieters Lakeview Technology in die engere Wahl. Mimix ist bekannt als stabile, innovative Produktsuite mit hohen Installationszahlen. Und über den Hardware-Lieferanten, die Münchner Wilsch KG, bekam Bernhard Marz den Tipp, sich an Keos Software Service, zertifizierter Lakeview Vertriebs- und Servicepartner für Mimix, zu wenden. Nach Referenzkundengesprächen und gründlicher Evaluierung erteilte Bernhard Marz Keos den Auftrag, Mimix zu implementieren. „Das Angebot von Keos stellte die optimale Kosten-/Nutzenrelation dar und beinhaltete auch Leistungen, die wir bei anderen Anbietern nicht finden konnten“, begründet der IT-Leiter die Entscheidung. Zunächst wurde die benötigte Backup-Maschine geliefert und eingerichtet, dann kam ein Senior-Systemberater von Keos zum Zug. „Es war eine Punktlandung“, erinnert sich Marz: „15 Tage für Implementierung und Schulung waren vereinbart, und genau nach dieser Zeit lief Mimix inklusive der gewünschten Automationsroutinen bei uns. Auch wenn das keiner glaubt: es gab einfach keinerlei Probleme.“ Inzwischen wurde auch der Umschalttest, den man in der Regel erst nach einer gewissen Zeit des problemlosen Betriebs unternimmt, absolviert „ auch hier gab es außer einigen Feinjustierungsmaßnahmen nichts zu beanstanden. Ab sofort findet er einmal monatlich statt, denn nur bei regelmäßigen Tests ist gewährleistet, dass auch bei einem wirklichen Notfallumschalten der Prozess reibungslos klappt.

Ein Stück Zusatz-Service

Für die Überwachung der iSeries, der Brain-Anwendungen und Mimix „ denn auch eine Backup-Lösung könnte abstürzen „ nutzen Bernhard Marz und sein Team das Visual Message Center von Tango/04. Auch dieses Client/Server Überwachungsmanagement wurde von Keos installiert, wobei hier noch ein besonderes Schmankerl dazukommt. Keos bietet nämlich für Mimix ein deutschsprachiges Zusatzmodul an, in dem etliche von Lakeview als Einzelschritte entwickelte Arbeitsprozesse zu logischen Einheiten verbunden und kundenspezifische Anforderungen integriert wurden. Alle Ereignisse der beiden Systeme und der „Spiegelungszustand“ werden an einer zentralen Stelle grafisch sichtbar. Ein zusätzlicher Service für deutsche Kunden, die eine gesamtheitliche Sicht der Verfügbarkeit wünschen und dies auch als Bestandteil eines Notfallhandbuchs nutzen. „Wir heißen eben nicht nur Keos Software Service, wir meinen es auch“, lacht Günter Meser, Vertriebsleiter und Mitinhaber der Firma. „Wobei auch wir nicht bei jedem Kunden so problemlos implementieren können, wie das hier der Fall war. Aber auf jeden Fall können wir unseren Kunden versichern, dass wir sie erst mit der Hochverfügbarkeitslösung allein lassen, wenn es definitiv so läuft, wie es geplant war.“

Bei Lackiertechnik Weiss ist das geglückt. Dort plant man derzeit die Verlegung der Backup-Maschine ans andere Ende des Werksgeländes. „Dann kann eigentlich selbst beim schlimmsten anzunehmenden Ereignis, etwa einem Brand- oder Wasserschaden im EDV-Raum, nichts mehr schief gehen“, meint Marz. Hat sich durch Mimix etwas geändert? Die Antwort kommt von Rolf Weiss: „Ich glaube, mein IT-Leiter schläft jetzt besser.“ Und auch das ist ein Sicherheitsgewinn für das Unternehmen.