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Mit AS/400 und Linux zum microsoftfreien Büro

Optimierung der EDV bei Holz-Speckmann

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Ausgangsfrage: Wo ist die Alternative zu Microsoft?

Holz-Speckmann ist ein mittelständisches Groß- und Einzelhandelsunternehmen für Hölzer aller Art: Bauholz, Schnittholz oder Platten, Paneele, Verpackungsholz, Türen oder Holz für den Garten werden für Handwerk, Industrie und nicht zuletzt den Endverbraucher auf 80.000 Quadratmeter Lagerfläche bereitgehalten. Über 130 Mitarbeiter sind an den beiden Standorten der Firma in Halle, Westfalen und in Lage damit beschäftigt, die Kundenwünsche möglichst prompt zu erfüllen. EDV-technisch werden sie dabei unterstützt durch eine AS/400 und die Branchensoftware Assistent der Firma KAPS. Als Arbeitsstationen hatte Holz-Speckmann lange Zeit auf Twinax-Terminals gesetzt, zusätzlich waren rund 30 PCs mit Client/Access und MS-Office-Paketen im Einsatz. „Und die machten uns genau die Probleme, über die alle EDV-Verantwortlichen klagen, seit Microsoft im betrieblichen Umfeld genutzt wird“, erklärt Klaus-Dieter Tantow, als Leiter EDV / Rechnungswesen verantwortlich für die Unternehmens-IT. „Während die geschäftskritischen Anwendungen auf der AS/400 problemlos laufen, mussten wir uns permanent um die PCs kümmern, sei es, dass wegen einer neuen Anwendung um-, auf- oder nachgerüstet werden musste, sei es, dass ein Reboot erforderlich war. Für 20 Prozent der Anwendungen gingen 80 Prozent der Ressourcen drauf. Als der Ersatz der bei uns noch in Betrieb befindlichen 5250-Terminals anstand, war für uns deshalb eines klar: wir richten keine 60 weiteren PC-Arbeitsplätze ein, sondern wir nutzen diese anstehende Erneuerung zu einer grundsätzlichen Umstrukturierung – weg von Microsoft.“

Auch eine zweite Sache war klar: die Lösung konnte nicht einfach lauten, das Microsoft-Betriebssystem durch ein anderes zu ersetzen, also auf dann 90 Arbeitsplatz-PCs ein alternatives Betriebssystem und entsprechende Anwendungen aufzuspielen und die Anwender zu schulen. „Damit hätten wir ja nichts anderes getan, als die Microsoft-Lösung mit anderer Software zu kopieren und damit auch die Probleme einer IT-Umgebung, in der für jeden Mitarbeiter eigene Programme aufgespielt werden müssen, in der jeder Mitarbeiter private Anwendungen – und im Zweifel Viren – aufspielen kann, und in der für jeden Arbeitsplatz Lizenzen zu verwalten sind. Also das war definitiv keine Alternative“, betont Tantow. Aber was dann?

Die Beispiellösung der Firma Wilsch

Für den iSeries-Anwender, der Holz-Speckmann ist und bleiben will, bietet die IBM mit der Linux-Partition auf der iSeries inzwischen die Ausgangsbasis für eine reine Terminal-Server-Lösung unter Linux. Das war die Voraussetzung für ein microsoftfreies Büro, das der Münchner Unternehmer Ulrich Wilsch in der Folge konzeptionierte und im eigenen Unternehmen umsetzte. In der Wilsch-Gruppe wurde im Frühjahr 2002 damit begonnen, die eigene EDV auf Linux umzustellen, mit dem Ziel einer Serverkonsolidierung, bei der das Linux-Betriebssystem auf einer iSeries-Partition läuft. Da die Firma Wilsch der Hardware-Lieferant von Holz-Speckmann ist, war es nur folgerichtig, sie mit der Durchführung einer vergleichbaren Lösung zu beauftragen. „Unser im Eigenversuch erworbenes Know-how konnten wir so in das Projekt „microsoftfreie IT“ der Firma Speckmann einfließen lassen“, erklärt Ulrich Wilsch. „Und die Möglichkeit, für interessierte Firmen über die Hardware hinaus Beratungsleistungen anbieten zu können, war eine wesentliche Motivation bei der Umstellung im eigenen Haus.“

Für die Firma Speckmann wurden folgende Ziele vereinbart:

„Das Interessante an der Wilsch-Lösung für uns war nicht zuletzt auch das, was sie alles nicht enthielt“, erklärt Bernd Hebrock, System-Administrator bei Holz-Speckmann. „Kein Client Access/400, kein verteiltes Datei-System, keine MS-Produkte. Statt dessen eine reine Server-Lösung mit echten „thin clients“.

Von der Planung zur Umsetzung

Nachdem im ersten Schritt die Verkabelung erneuert worden war, ging es an die Auswahl von Hard- und Software. Die Hardware war dabei vergleichsweise unproblematisch. Als Linux-Server dient zunächst ein marktgängiger Intel-Rack-Server, an die Stelle der 5250-Terminals treten „Scovery xS“ der Firma Fujitsu-Siemens. Sie bieten als X-Terminals den Vorteil, dass Programmaktualisierungen sowie Virenschutzvorkehrungen am einzelnen Arbeitsplatz überflüssig werden. Da es für die Mitarbeiter mangels eigener Festplatte und Laufwerken keine Möglichkeit gibt, mitgebrachte Software zu installieren, besteht auf diesem Weg keine Gefahr eines Programm-absturzes oder Virenbefalls. Im Übrigen sind die Scoverys deutlich schneller als die noch in Betrieb befindlichen PCs. „Und das Beste: die Hardware altert wesentlich langsamer als bisher üblich, da sie nicht mehr für jede neue Software leistungsfähiger werden muss“, erklärt Tantow. „Im Grunde handelt es sich bei unseren Terminals um Fernseher – das Programm kommt vom Server. Und man kauft ja auch keinen neuen Fernseher, nur weil eine neue Serie anläuft. Wir brauchen keine Rechenleistung am einzelnen Arbeitsplatz, denn unser Server versorgt bis zu 150 Anwender mit Office, Internet, Mail, AS/400-Anbindung und allen sonstigen Anwendungen. Aufgerüstet wird bei uns in näherer Zukunft nur der Server. Und bei dem kann man dann jede Investition in Bezug auf den Nutzen mit dem Faktor 150 multiplizieren.“

Neben den genannten Anwendungen bieten die grafischen Terminals weitere Vorzüge:

Bei der Software-Auswahl galt die Maßgabe „so wenig Lizenzverpflichtungen wie möglich“. Unter den verschiedenen Betriebssystem-Anbietern fiel die Entscheidung auf SuSE – nicht zuletzt auch wegen der IBM-Unterstützung, die das Nürnberger Unternehmen genießt. Dazu kam als Anwendungssoftware das Open-Source-Paket „OpenOffice“, das in den wesentlichen Funktionen mit MS-Office übereinstimmt und vor allem vorhandene oder zugeschickte Word-, Excel-und PowerPoint-Dokumente – sofern sie keine Makros enthalten – eins zu eins übernimmt. Als 5250-Emulation ist das Open-Source-Produkt „TN 5250“ der Entwickler Madore u.a. im Einsatz, als Internet-Browser und Mail-Client wurde Mozilla installiert, wie die Druckersoftware LPRNG ein Freeware-Produkt. Die bisherigen PC-Arbeitsplätze werden im zweiten Schritt auf die gleiche Software umgestellt. „Die Lizenz-Verwaltung reduziert sich damit auf ein Minimum“, freut sich Bernd Hebrock. „Alle unsere Programme existieren genau ein einziges Mal auf unserem Anwendungsserver. Jedes dort installierte Programm kommt allen Anwendern zugute, sofern wir das nicht beschränken.“

Gelöste Probleme und ein Blick in die Zukunft

Natürlich gab es auch Anlaufschwierigkeiten. Für die IT-Abteilung bedeutete der Einstieg in das Unix-Derivat Linux eine Umstellung: „Wenn man die MS-Administration gewöhnt ist, muss man umlernen“, erklärt Bernd Hebrock. „Und besonders bedienerfreundlich ist Linux nicht. Es fehlt die intuitiv verstehbare Oberfläche. Trotzdem steht der Arbeitsaufwand bei einer Neukonfiguration in keinem Verhältnis zu früher: ich brauche noch gerade 15 Minuten für die Konfiguration eines Scovery-Clients mit AS/400-Emulation, Office-Paket und Internet/Mailzugang, während für einen neuen PC-Arbeitsplatz manchmal ein ganzer Tag draufging.“

Bei der Software-Installation stellte sich heraus, dass etliche der auf dem Markt erhältlichen AS/400-Emulationen keine Eins-zu-Eins-Abbildung der 5250-Oberfläche boten – auf der aber bestanden die Vertriebsmitarbeiter bei Holz-Speckmann aus gutem Grund. Sie können beim telefonischen Bestelleingang keine Verzögerung durch eine nicht ganz stimmige Bildschirmmaske gebrauchen. Erst mit „TN 5250“ konnte dieses Problem zufriedenstellend gelöst werden. Allerdings freut sich die EDV bei Holz-Speckmann schon auf „x52“, die auf AS/400-Linux portierte Emulationssoftware der Firmen Wilsch und UniCon. Anfängliche Probleme mit „OpenOffice“ und dem Web-Browser konnten durch die Installation neuerer Versionen behoben werden. „Letztlich waren das wirklich 'peanuts'“, meint Klaus-Dieter Tantow. „Und das wichtigste für uns ist die Akzeptanz durch die Anwender. Natürlich gibt es den Einen oder Anderen, der seinem PC nachtrauert, aber im Großen und Ganzen sehen die Mitarbeiter die Vorteile der höheren Stabilität und des weitaus geringeren Administrationsaufwands.“

Und wie geht es weiter?

"Wir werden den Linux- und den Microsoft-Applikations-Server in die iSeries integrieren, dadurch erreichen wir eine noch größere Sicherheit, Skalierbarkeit und Flexibilität“, beschreibt Tantow die nächsten Schritte. "Auch hier gibt es bei der Firma Wilsch eine Lösung, die wir übernehmen wollen. Mit "FAST/400“ soll die "Interaktivbremse“ der iSeries gelöst werden. Dadurch wird Budget für den Erwerb eines weiteren iSeries-Prozessors frei, der dann die Aufgaben des bisher noch externen Intel-Servers übernimmt. Und damit haben wir endgültig erreicht, was wir von Anfang an wollten: eine reine Server-Lösung, die tatsächlich physisch nur aus einem Server, nämlich der iSeries, besteht.“